Licht und Schatten bei der Umsetzung des „Vertrags für Hamburgs Grün“
NABU kommentiert den Bericht des Senats zur Umsetzung der NABU Volkinitiative „Hamburgs Grün erhalten“
Igel - Foto: Andreas Bobanac
29.07.2025 - Um den schleichenden Grünverlust durch die vielen Bauprojekte in Hamburg aufzuhalten, hatte der NABU 2017 die Volksinitiative „Hamburg Grün erhalten“ gestartet. Die Initiative mündete 2019 in einer Vereinbarung mit der Hamburger Bürgerschaft. Durch ihn konnte der NABU für Hamburgs Natur Bedeutendes erreichen. Am heutigen Tag hat der Senat den Sachstandbericht 2024 zur Umsetzung des „Vertrags für Hamburgs Grün“ auf der Landespressekonferenz vorgestellt.
Positiv bewertet der NABU, dass es nun endlich gelungen ist, das vereinbarte Ziel von 10 % der Fläche Hamburgs als Naturschutzgebiet auszuweisen. „Besonders freut uns, dass im Zuge dieser Zielerreichung neben der Erweiterung der Kirchwerder Wiesen und des Naturschutzgebiets Boberg auch die Vollhöfner Weiden nun endlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden. Dies ist ein besonderer Erfolg des jahrelangen Engagements des NABU, insbesondere seiner Aktiven vor Ort“, sagt Christina Wolkenhauer, 2. Vorsitzende des NABU Hamburg. Allerdings war Geduld gefragt, denn fünf Jahre hat es gedauert, bis die Stadt es endlich geschafft hat, die 10 %-Vorgabe zu erreichen.
Aus NABU-Sicht ist auch erfreulich, dass dank der Volksinitiative erreicht werden konnte, ein Versiegelungsmonitoring für Hamburg zu entwickeln. Mit dem neu geschaffenen Instrument ist es nun möglich, den Versiegelungsgrad Hamburgs mit Hilfe von Satellitendaten und KI genau zu bestimmen. Dieses neue Instrument ist wegweisend und wird zukünftig zeigen, ob und welchem in welchem Ausmaß Hamburg mehr und mehr von seinem wertvollen Grün verliert.
Kritikpunkte: Weitere Großprojekte geplant, neue Quartiere ohne Grünalagen und Naturqualität nimmt ab
Allerdings gibt es auch einige Punkte zu bemängeln. Insbesondere sieht der NABU mit Sorge, dass es in puncto Versiegelung und deren negative Auswirkungen auf die Biodiversität, die menschliche Gesundheit sowie die Anpassungen an den Klimawandel immer noch Tendenzen gibt, die Vorgaben des Vertrags für Hamburgs Grün zu umgehen. Zwischen NABU und der Stadt wurde vereinbart, dass bei der Entwicklung neuer Quartiere regelhaft weitere öffentliche Grünanlagen geschaffen werden sollen. Im Bebauungsplanverfahren ‚Bergedorf 111‘ (Brookdeich) ist für die zukünftigen 1.400 Bewohner*innen in 560 neuen Wohnungen kein einziger Quadratmeter öffentliche Parkanlage vorgesehen. Anstatt den ermittelten Bedarf von 2,15 ha öffentlichem Grün für die neuen Bewohner*innen einzuplanen, wird auf den Mangel an zur Verfügung stehender Fläche und die 500 m entfernte Parkanlage im benachbarten neu geschaffenen Innovationspark verwiesen. „Obwohl Temperaturrekorde, Starkniederschläge und die Diskussion um Klimaanpassungsstrategien sowie die Gefahr von Hitzetoten in den Medien allgegenwärtig sind, scheinen einige Stadtplaner diese Warnsignale immer noch nicht ernst zu nehmen. Es kann nicht hingenommen werden, dass Stadt und Bezirke die Augen vor diesen Herausforderungen verschließen", erläutert Dr. Christian Gerbich, Naturschutzreferent des NABU Hamburg. Der NABU kritisiert jegliche Aufweichung der aus dem Vertrag für Hamburgs Grün hervorgehenden Verpflichtungen und fordert daher die verantwortlichen Behörden dazu auf, die Ziele der Vereinbarungen einzuhalten und dafür zu sorgen, dass die zukünftigen Bewohner*innen des Quartiers eine ausreichende Grünversorgung erhalten.
Ein weiterer Kritikpunkt: Der Bericht beschreibt, dass die Entwicklung der Naturqualität außerhalb von Naturschutzgebieten inzwischen nicht mehr positiv ist. Erfreulich ist, dass die Umwandlung von Intensiv-Äckern zu Grünland oder auch die Verbesserung bestehenden Grünlands zu insgesamt positiven Entwicklungen in Teilen der landwirtschaftlichen Flächen führt. Sorgen bereitet hingegen die tendenziell eher negative Entwicklung der Naturqualität der Wälder außerhalb der Naturschutzgebiete. Als zentrale Gründe für die Abwertung der Naturqualität außerhalb der Naturschutzgebiete werden aber insbesondere große Infrastrukturprojekte, z.B. der Bau der A26 oder das Gewerbegeiet Neuland hervorgehoben.
"Derlei Großprojekte zerstören nicht nur die teils wertvolle Natur vor Ort, sondern sorgen auch dafür, dass die eher kleinteiligen Bemühungen und Erfolge zur Steigerung der Naturqualität auf einzelnen Flächen zunichte gemacht werden", sorgt sich Gerbich. Und neue Großprojekte stehen vor der Tür: Oberbillwerder, Fischbeker Rethen, die A26 Ost oder die Planungen zur Verbreiterung der A7. Es sind aber nicht nur die Großprojekte, die sich negativ auswirken. Im Bericht selbst wird beschrieben, dass zu einer positiven Entwicklung des Naturwerts eine deutlich größere Fläche positiv verändert werden muss, als zerstörende Eingriffe stattfinden. Dies betrifft auch die Wohnbebauung durch Nachverdichtung und Überbauung verschiedener Biotope. "Es sind Zweifel angebracht, ob unter der weiter andauernden Naturzerstörung die Ziele der Naturqualitätssteigerung erreicht werden können", stellt Christina Wolkenhauer fest.
Hamburg bleibt grün! Das ist das Ergebnis der Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“. Hier erklären wird die einzelnen Punkte der Vereinbarung.
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