Ein gekipptes Fenster: 130 Fledermäuse in einer Wohnung
Zwergfledermaus - Foto: Eckhard Grimmberger
Hamburg, September 2025 - Eine ungewöhnliche und tragische Begegnung mit der heimischen Tierwelt: Während eines dreiwöchigen Urlaubs flogen 130 Zwerg- und Mückenfledermäuse durch ein gekipptes Fenster in eine Hamburger Wohnung ein. Der Großteil der Tiere waren Jungtiere, die im August und September auf Quartiersuche sind. Als das ehrenamtlich tätige NABU-Team alarmiert wurde, war es für die meisten Tiere leider zu spät – nur sechs Fledermäuse konnten gerettet, versorgt und später wieder ausgewildert werden.
Neben Fenstern können auch leere Blumentöpfe, Gießkannen oder andere glattwandige Gefäße zur Gefahr werden, wenn sie als vermeintlicher Unterschlupf dienen. Fledermäuse fliegen dort hinein, können aber an den glatten Innenwänden nicht wieder hinauskommen. Der NABU empfiehlt daher dringend, Fenster bei längerer Abwesenheit geschlossen zu halten oder mit einem Fliegenschutz zu versehen. Besonders in den Monaten August und September sollte auf Einflugmöglichkeiten geachtet werden. Zudem ist es ratsam, Gefäße regelmäßig zu kontrollieren und am besten abzudecken oder umzudrehen, um potenzielle Gefahrenquellen zu minimieren.
„Einmal eingesperrt kommt es zu einem unschönen Kreislauf. Da Fledermäuse sehr soziale Tiere sind, rufen sie immer ihre Artgenossen um Hilfe. Diese kommen dann dazu und sitzen ebenfalls in der Falle,“ erläutert Alexander Heidorn von der AG Fledermausschutz. „Dies ist der Grund von Masseneinflügen in Wohnungen und unzähligen Tieren in offenen Gefäßen. Dieser Kreislauf kann über Wochen andauern.“
Einmal eingesperrt kommt es zu einem unschönen Kreislauf. Da Fledermäuse sehr soziale Tiere sind, rufen sie immer ihre Artgenossen um Hilfe. Diese kommen dann dazu und sitzen ebenfalls in der Falle.
Alexander Heidorn, AG Fledermausschutz des NABU Hamburg
Ein weiterer Punkt sind Regentonnen und offene Wasserbehälter. Sie werden für Fledermäuse oftmals zur nassen Falle und nicht selten ertrinken sie in den Gefäßen. Auch hier gilt: Entweder die Behälter abdecken, einen schräg aus dem Wasser ragenden Ast oder Stein hineinlegen oder ein kleines „Floß" darin schwimmen lassen, das als Rettungsinsel dient.
Im Falle eines Einflugs kann das Fenster nach Sonnenuntergang weit geöffnet werden – die Tiere verlassen den Raum meist von allein. Sobald alle Tiere ausgeflogen sind, sollte das Fenster geschlossen und in den folgenden Nächten nicht erneut gekippt werden, da Fledermäuse ortstreu sind und zurückkehren könnten. Es ist außerdem wichtig, sicherzustellen, dass sich keine Tiere mehr im Raum befinden – insbesondere hinter Möbeln oder in offenen Gefäßen wie Vasen und Gießkannen. Bei Unsicherheit oder falls die Tiere schon länger in der Wohnung sein könnten, steht das ehrenamtliche NABU-Team über das Fledermaus-Nottelefon unter Tel. 0700 35 33 37 62 unterstützend zur Verfügung.
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