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Mitglied werdenNABU fordert Nachbesserungen für Neubauprojekt "Fischbeker Reethen"
Baustelle - Foto: NABU/T. Dröse
Das Projekt Fischbeker Reethen ist ein Stadtentwicklungsprojekt der IBA Hamburg GmbH im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek im Bezirk Harburg. Auf der bisher überwiegend landwirtschaftlich genutzten Fläche soll ein neuer Stadtteil entstehen. Geplant sind rund 2.200 Wohneinheiten, soziale Infrastruktur wie Schulen und Kitas, Grünflächen sowie etwa 10 Hektar Gewerbeflächen.
Das Plangebiet liegt zwischen wichtigen Naturräumen im Südwesten von Hamburg: südlich befindet sich das Fischbeker Heide Naturschutzgebiet und nördlich das Moorgürtel Naturschutzgebiet, das zugleich ein europäisches Vogelschutzgebiet ist.
Der Bebauungsplan (Neugraben-Fischbek 67) befindet sich im Planverfahren; im November 2025 wurde die sogenannte Planreife nach § 33 BauGB erreicht, sodass vorbereitende Schritte für die Gebietsentwicklung möglich sind.
Wir als NABU fordern eine Umplanung des Projekts, insbesondere:
1. Verzicht auf das geplante Gewerbegebiet,
2. Schaffung einer ausreichend großen Pufferzone zwischen Bebauung und Schutzgebieten,
3. stärkere Berücksichtigung von Natur-, Klima- und Artenschutz,
4. Vergrößerung der geplanten Biotopverbundfläche, damit auch künftig noch Austausch zwischen Tier- und Pflanzenbeständen der nördlich/südlich angrenzenden Naturschutzgebiete möglich ist
Wo liegt das Problem? Was wollen wir als NABU erreichen?
An der derzeitigen Planung kritisieren wir, dass eine sehr große Fläche bisher unversiegelter Landschaft beansprucht wird und ein Gewerbegebiet im Norden des Plangebiets vorgesehen ist.
Dieses Gewerbegebiet würde den notwendigen Abstand zu den angrenzenden Schutzgebieten erheblich verringern. Dadurch fehlt eine ausreichend große Pufferzone zum EU-Vogelschutzgebiet Moorgürtel, die für den Schutz sensibler Arten und Lebensräume notwendig wäre.
Wir fordern deshalb eine Umplanung des Projekts. Ziel ist es, auf das Gewerbegebiet zu verzichten und stattdessen ausreichend Raum für eine wirksame Pufferzone und für ökologische Ausgleichsflächen zu schaffen. Damit könnte der Schutz der angrenzenden Naturschutzgebiete verbessert werden, ohne das gesamte Wohnungsbauprojekt grundsätzlich infrage zu stellen.
Warum kritisiert der NABU genau dieses Projekt?
Das Gebiet der Fischbeker Reethen ist eine der letzten offenen Landschaftsflächen zwischen dem Fischbeker Heide Naturschutzgebiet und dem Moorgürtel Naturschutzgebiet. Diese Fläche erfüllt eine wichtige Funktion für die Biotopvernetzung zwischen Geest- und Moorlandschaften.
Darüber hinaus liegt das Gebiet im Wasserschutzgebiet Süderelbmarsch/Harburger Berge. Durch zusätzliche Versiegelung könnten wichtige Flächen für die Grundwasserneubildung verloren gehen. Dies ist auch deshalb besonders problematisch, da der nördlich angrenzende Moorgürtel, Hamburgs größtes Moorgebiet, auf den südlichen Grundwasserzustrom angewiesen ist. Auch mehrere gesetzlich geschützte Biotope sowie Lebensräume geschützter Tierarten sind betroffen.
Die Naturschutzverbände sehen daher die Gefahr, dass zentrale Natur- und Artenschutzbelange nicht ausreichend berücksichtigt werden und dass die Planung den gesetzlichen Anforderungen des Naturschutz- und Umweltrechts nicht vollständig gerecht wird.
Was tut der NABU bisher dagegen?
Die Naturschutzverbände haben im Bebauungsplanverfahren mehrfach offizielle Stellungnahmen abgegeben. Die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz hat zwei ausführliche Stellungnahmen zum Bebauungsplan Neugraben-Fischbek 67 eingereicht. Beide Stellungnahmen fordern in erster Linie eine Überarbeitung der Planung, insbesondere mit Blick auf das Gewerbegebiet.
Die erste Stellungnahme erfolgte 2023 und bezog sich auf eine frühere Planfassung. Wir kritisierten insbesondere die große Flächeninanspruchnahme bislang unversiegelter Kulturlandschaft, mögliche Beeinträchtigungen geschützter Biotope und Arten sowie die Lage des Projekts zwischen wichtigen Naturschutzgebieten. Außerdem wurden bereits damals Zweifel geäußert, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen, um negative Auswirkungen auf die angrenzenden Schutzgebiete zu vermeiden.
Die zweite Stellungnahme erfolgte 2025 und wurde im Rahmen einer erneuten eingeschränkten Beteiligung zum überarbeiteten Planentwurf abgegeben. Darin werden weiterhin erhebliche naturschutzfachliche Bedenken geäußert. Kritisiert werden unter anderem mögliche Beeinträchtigungen der EU-Vogelschutzgebiete, Zweifel an der Wirksamkeit der vorgesehenen Schadensbegrenzungsmaßnahmen, sowie methodische Fragen zur FFH-Verträglichkeitsprüfung.
Im Plangebiet der Fischbeker Reethen selbst kommen noch selten gewordene Arten der traditionellen Kulturlandschaft vor, darunter die Feldlerche, die Wiesenschafstelze oder auch der in Hamburg gefährdete Kleine Perlmutterfalter.
Mit besonderer Sorge sehen wir Auswirkungen auf das angrenzende Natur- und Vogelschutzgebiet Moorgürtel und die hier lebenden störungsempfindlichen Vogelarten wie Kranich, Wiesenpieper, Bekassine und Wachtelkönig. Die beiden letztgenannten Arten sind deutschlandweit vom Aussterben bedroht.
Ohne ausreichende Puffer- und Erholungszone ist zu befürchten, dass der Einzug tausender Menschen in das benachbarte Neubaugebiet zwangsläufig zu erheblichen Störungen im Schutzgebiet etwa durch freilaufende Hunde und Lärm führt.
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