Trockenheit macht Störchen zu schaffen
45 Storchenpaare ziehen 99 Jungstörche auf
20.06.2025 - Der Start in die Brutsaison 2025 war fulminant und ließ auf ein weiteres Rekordergebnis hoffen. 54 Brutpaare, so viele wie noch nie, hatten sich im Laufe des Frühjahrs in Hamburg niedergelassen und begannen mit dem Brutgeschäft. Die wochenlange Trockenheit von März bis Mai führte dann aber zu erheblichen Verlusten beim Storchennachwuchs. „Dieses Frühjahr war viel zu trocken, es fiel nur die Hälfte des üblichen Niederschlags“, beklagt Jürgen Pelch, ehrenamtlicher Storchenbetreuer beim NABU Hamburg. „Das hatte Auswirkungen auf das Nahrungsangebot für die Jungvögel. Die Eltern konnten nicht genug Futter finden für ihren Nachwuchs. Junge Störche fressen in ihren ersten Lebenswochen vor allem kleine Tiere wie Regenwürmer, Insekten und Larven. Die gab es durch den Wassermangel kaum.“ Die Folge: Einzelne Paare brachen das Brutgeschäft ab oder begannen erst gar nicht zu brüten. In 11 Nestern wurden Jungtiere von den Storcheneltern aus dem Nest geworfen, damit die Geschwistertiere bessere Überlebenschancen haben. Jürgen Pelch konnte 5 Tiere, die aus dem Nest geworfen wurden, retten und aufpäppeln, darunter sogar 2 Storcheneier, die mithilfe eines Brutschranks überlebten. Diese beiden Jungstörche werden in Kürze in die Storchenpflegestation Erfde verbracht und dort ausgewildert.
Eine Besonderheit dieser Brutsaison waren zwei Storchenpaare, die nicht eines der 73 in Hamburg zur Verfügung stehenden Storchennester wählten, sondern lieber selber bauten, auf einem Schornstein, bzw. auf einem Strommast.
Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg betont: „Noch nie war ein Frühjahr in Norddeutschland so trocken. Und es ist leider sehr wahrscheinlich, dass diese Wetterlage zur neuen Normalität wird, im Wechsel mit Starkregenereignissen. Beides macht den Weißstörchen zu schaffen. Diese Wetterkapriolen sind wieder mal ein deutliches Signal, dass Klimaschutz konsequent umgesetzt werden muss. Und sie zeigen auch, dass Feuchtwiesen ein wertvoller Lebensraum sind, den es zu schützen gilt. Noch immer gehen in Hamburg zu viele Flächen durch Bauvorhaben leichtfertig verloren. Dieses ‚business as usual‘ können wir uns nicht mehr leisten. Der NABU Hamburg setzt sich seit vielen Jahrzehnten für den Schutz von Feuchtgebieten ein, auf politischer Ebene und durch praktische Naturschutzarbeit, unter anderen in den Kirchwerder Wiesen.“
Spendenreise zugunsten der Hamburger Störche
Unterstützung der besonderen Art erhalten die Hamburger Störche durch den 28-jährigen Julius Oldehaver. Er tritt am 20. Juni 2025 eine Spendenreise per Fahrrad an, die ihn bis nach Afrika führen soll, entlang der Flugroute der Weißstörche. Rund 7.000 Kilometer liegen vor ihm. Mit seiner Reise möchte er Menschen inspirieren sich für eine bessere Welt einzusetzen und Spenden für das Storchenschutzprojekt des NABU sammeln. So soll u.a. ein neues Schlaraffenland für Störche in den Kirchwerder Wiesen geschaffen werden. Unter @juliusreist kann man Julius Oldehavers Reise auf Instagram, YouTube und TikTok verfolgen. Detailliertere Infos findet man auf seinem Blog www.juliusreist.de.
Weitere Infos zum Storchenschutz
Hier können Sie das Brutgeschehen der Hamburger Webcam-Störche live miterleben. Mit seiner Naturschutzarbeit setzt der NABU Hamburg alles daran, seinen Wappentieren auch 2025 wieder gute Bedingungen für die Aufzucht ihrer Jungen in der Hansestadt zu schaffen. Mehr →
Um das Verhalten von Störchen und ihre Reaktion auf Umwelteinflüsse besser zu verstehen, stattet der NABU Hamburg seit 2019 Störche mit kleinen Sendern aus und analysiert ihre Flugbewegungen. Auf dieser Karte sind die besenderten Tiere tagesaktuell zu sehen. Mehr →
