Der Wilde Wald bleibt - Verwaltungsgericht gibt NABU im Eilverfahren Recht
Die letzte naturnahe Insel im Wilhelmsburger Norden muss erhalten bleiben!
Update 26.02.2026: Verwaltungsgericht gibt NABU im Eilverfahren Recht
Das Hamburger Verwaltungsgericht hat entschieden: Der „Wilde Wald“ bleibt. Das Gericht hat die aufschiebende Wirkung des vom NABU eingelegten Widerspruchs gegen die Baugenehmigung angeordnet. Das bedeutet, dass die Baugenehmigung vorerst nicht genutzt werden darf. Das Bauvorhaben muss also pausieren – und bis dahin darf kein Baum gefällt werden. Da die gesetzliche Baumfällsaison am 28.02. endet, bekommt der Wald eine notwendige Atempause.
Wilder Wald in Wilhelmsburg / Totholz und neues Leben - Foto: Thomas Dröse
Hamburg, 23. Februar 2026 - Kurz vor Ende der diesjährigen Baumfällsaison befürchtet der NABU, dass eine erste Teilfläche von 790 Quadratmetern des „Wilden Waldes“ gefällt werden soll und damit Fakten geschaffen werden. Heute wurden dort bereits bauvorbereitende Maßnahmen getroffen und alle Anzeichen von vor Ort deuten darauf hin, dass die Rodung morgen beginnen soll. Gegen die Rodungsgenehmigung hatte der NABU bereits am 13. Februar Widerspruch eingelegt, der allerdings keine aufschiebende Wirkung hat. Um die drohende Rodung zu verhindern, hat der NABU heute einen Eilantrag beim Hamburger Verwaltungsgericht gestellt. So kann eine einstweilige Verfügung erwirkt werden.
„Dass jetzt so kurz vor Ende der Baumfällsaison noch gerodet werden soll, ist wirklich ein Unding. Die Hamburger Regierungsparteien werben in ihren Programmen mit aktivem Klimaschutz, doch die geplante Rodung steht dazu in klarem Widerspruch. Im neuen Koalitionsvertrag heißt es stattdessen, die entsprechenden Bebauungspläne für das Spreehafenviertel sollen zügig vorangetrieben werden. Gelebter Klimaschutz sieht anders aus. In Zeiten von Klimakrise und Biodiversitätsschwund ist es unverantwortlich und unzeitgemäß, Wälder als Kohlenstoffsenken und vielfältige Lebensräume zu Gunsten von Wohnungsbau- oder Infrastrukturvorhaben in Anspruch zu nehmen“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg.
„Der Wald bietet im dicht besiedelten Reiherstiegviertel einen unersetzbaren Rückzugsort für Mensch und Natur. Der Wald ist die letzte naturnahe Fläche im Wilhelmsburger Norden und eine der letzten naturnahen Inseln in Wilhelmsburg, nachdem im Zuge der Internationalen Gartenschau weite Teile ehemals naturnaher Flächen in Parkanlagen überführt und Naturbestand durch weitere andere Bauvorhaben beansprucht wurden“, sagt Frederik Schawaller, aus dem Leitungsteam der ehrenamtlichen NABU-Gruppe Süd.
Hintergrund:
Der „Wilde Wald“ in Wilhelmsburg ist ein seit über 60 Jahren natürlich aufgewachsener Wald und wird laut Hamburger Biotopkartierung als ökologisch wertvoll eingestuft. Für die Entwicklung des sogenannten „Spreehafenviertels“ soll fast der gesamte neun Hektar große Wald gefällt werden. Das Spreehafenviertel befindet sich zwar noch in der Planung, aber am 12. Februar 2026 hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte die Genehmigung für eine erste Teilrodung erteilt. Dabei geht es um eine Fläche von 790 Quadratmetern, die die Stadt einem angrenzenden Bauunternehmen im Tausch gegen ein kleineres Stück ihres Firmengeländes angeboten hat. Die Rechtsgrundlage hierfür ist ein alter Bebauungsplan aus den 1960er Jahren, also bevor der Wald überhaupt entstand.
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