Baumscheiben müssen besser geschützt werden!
Der Boden um das untere Ende eines Baumstammes / Maßgeblicher Schutz des Wurzelbereiches
Baumscheibe - Foto: M. Koch
Die Baumscheibe oder genauer der Wurzelraum eines Baumes ist der wichtigste, oft verkannte, aber entscheidende Ort für Leben, Ernährung, Gesunderhaltung und die Statik des Baumes. Durch die Verankerung der Wurzeln im Boden dienen die Wurzeln dem Baum als unterirdischer Speicher für Wasser und Nährstoffe.
Die Eigenschaften durchwurzelbarer Bodenhorizonte und -schichten bestimmen die Kapazität an verfügbaren Wasser- und Nährstoffmengen. Sie spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit unserer Bäume, daher sind Pflege und Schutz der Baumscheiben unerlässlich. Werden die Wurzeln durch Einflüsse wie Druck, Trockenheit oder mechanische Beschädigung beeinträchtigt, kann das zu massiven Schäden an den Bäumen führen. In letzter Konsequenz werden Bäume aufgrund mangelnder Verkehrssicherheit gefällt.
Das hat zur Folge, dass sich die positive Wirkung der Bäume auf unser Stadtklima (Sauerstoff, Verdunstung, Kühlung, Schatten, Filterung von Feinstaub, Speicherung von CO2 und Nahrung für Insekten), nicht so entwickeln kann, wie wir Bürger*innen es uns wünschen und dringend brauchen.
Jeder Baum zählt, und nur durch pfleglichen Umgang mit den Baumstandorten können wir den Bäumen Lebensbedingungen schaffen, die es ihnen ermöglichen, zu wachsen und zu gedeihen. Nur so können sie die Wohlfahrtswirkung und die überlebenswichtigen Funktionen wie Sauerstoff, Verdunstung, Kühlung und saubere Luft für uns Stadtbewohner*innen (besonders in stark verdichteten Stadtteilen) bieten.
Bodenverdichtung
Baumstandorte sind keine Müllkippen. Durch Ablagerungen wird der Boden verdichtet, und es können Bodenverunreinigen durch Schadstoffe auftreten.
Durch das Abstellen von Fahrzeugen oder durch schwere Gegenstände auf Baumscheiben wird der Boden verdichtet und kann nicht mehr durchwurzelt und durchlüftet werden.
Neben den direkten Beschädigungen der Wurzeln und des Stammes durch parkende Fahrzeuge, wird durch die Verdichtung des Bodens die Zufuhr von Luft und Sauerstoff und die Wasserversorgung der Bäume behindert und damit die Nährstoffaufnahme beeinträchtigt.
Dies kann zum Absterben der Bäume führen führen.
Baumscheiben sind kein Hundeklo!
Analysen haben ergeben, dass die „tierische Bewässerung“ hohe Mengen an Stickstoff, Kalium, Chlorid und Schwefel enthält. Zudem werden die Salzgehalte im Boden enorm erhöht.
Leider werden viel zu oft Straßenbäume für das "tägliche Geschäft" genutzt. Der "saure" Hundeurin verursacht besonders bei jüngeren Bäumen auf die Dauer sichtbare Schäden an der Wachstumsschicht zwischen der Splintholzzone und der Rinde (Kambium), die u.a für die Wundheilung und die Regeneration des Baumes wichtig ist. Dadurch können sich Krankheitserreger und schmarotzende Pilze in dem Stamm ansiedeln. Das führt zu Fäulnisschäden, zur Störung des Nährstoffgleichgewichts und zur Stickstoffüberdüngung.
Die Schäden durch Hundeurin gefährden die Standfestigkeit der Bäume und können zu Fällungen führen.
Trockenheit
Heiße, trockene Sommer, aber vor allem auch lange Trockenphasen im Frühjahr, wenn die Blätter austreiben, schwächen unsere Straßenbäume. Ist die Wasserzufuhr knapp, dann zeigt sich der Trockenstress bei einigen Baumarten durch Laubabwurf, das Einrollen der Blätter, Nekrosen (Absterben des Blattgewebes) oder frühzeitiger Herbstfärbung. Der Baum reduziert so die Photosyntheseleistung und fährt den Wasserverbrauch herunter. Weniger Photosynthese verringert aber den Zuwachs und und das Einlagern von dringend benötigten Reservestoffen und verringert so dauerhaft die Resilienz und die natürlichen Abwehrkräfte.
Versiegelung
Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Aufheizung in den Städten werden Bäume für das Stadtklima immer wichtiger.
Sie spenden Schatten und sorgen für Abkühlung in der Stadt. Daher wird in den letzten Jahren bei neu angepflanzten Bäumen vermehrt darauf geachtet, dass ein geeigneter und durchwurzelbarer Bodenraum vorhanden und die ausreichende Versorgung mit Luft, Wasser und Nährstoffe für die Bäume sichergestellt ist.
Leider gilt das nicht für unsere alten Bestandsbäume. Sie leiden weiterhin unter viel zu kleinen Baumscheiben, die dann auch noch oft als Ablagefläche benutzt und belastet werden.
Um den Straßenbäumen zu helfen, müssen Baumscheiben gezielt vergrößert und entsiegelt werden, damit wieder durchwurzelbarer Raum geschaffen wird. So kommt Sauerstoff in den Wurzelbereich an, und die Bäume können mehr Regenwasser aufnehmen. Bei stark versiegelten oder zu klein angelegten und verdichteten Baumscheiben läuft häufig wertvolles Regenwasser komplett ab.
Begrünung von Baumscheiben
Bepflanzte Baumscheiben machen Bäume nicht nur widerstandsfähiger, sondern tragen zur Artenvielfalt in der Stadt bei. Die Erde rund um den Baum trocknet durch die Beschattung nicht so stark aus, und je nach gewählter Bespflanzung haben auch viele Insekten etwas davon.
Durch die Übernahme einer Patenschaft für eine Baumscheibe können Anwohner*innen zum Schutz der Bäume und zur Stadtnatur beitragen und sich an einer bunten Artenvielfalt vor der Haustür erfreuen. Die Patenschaft können Sie bei den zuständigen Bezirksämtern beantragen.
Baumscheibe mit Bepflanzung - Foto: Joachim Trucks
So können Sie helfen:
Übernehmen Sie eine Baumscheibenpatenschaft! Das Bezirksamt Eimsbüttel gibt wertvolle Informationen. Klicken Sie hier.
Wenn Sie sehen, dass Autofahrer*innen ihr Fahrzeug auf einer Baumscheibe abstellen, klären Sie auf! Vielen ist nicht bewusst, dass sie damit den Strassenbäumen unmittelbar schaden.
Auf Baumscheiben abgestellten Baumüll oder andere Gerätschaften sollten Sie beim Bezirksamt melden oder im Zweifelsfalle die Polizei rufen.
In Hamburg hat die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft eine Aktion gestartet, die die Entsiegelung von Flächen fördern soll. Mehr Informationen hier.
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