Hamburg.NABU.de Tiere und Pflanzen Kranich
Kranichbrut erfolgreich wie noch nie
Kranichbrut erfolgreich wie noch nie
2012 wurden 13 junge Kraniche im Brook flügge
Oktober 2012 - Es wird Herbst in Hamburg, welkes Laub und vorüber ziehende Trupps von Gänsen oder Kranichen lassen kein anderes Urteil mehr zu. Es wird also auch Zeit für die Kranichschützer vom Brook, Bilanz über die zurückliegende Brutsaison zu ziehen und Vorbereitungen für das Jahr 2013 in Angriff zu nehmen.
„2012 war das bislang erfolgreichste Jahr für den Kranichschutz im Brook“, weiß Jens-Peter Stödter zu berichten, der seit Ende 1998 für den Arbeitskreis Walddörfer beim NABU Hamburg den Schutz der störungsempfindlichen Großvögel im Norden Hamburgs koordiniert. Mindestens 12 Paare sind dieses Jahr wieder im Duvenstedter und im Hansdorfer Brook zur Brut geschritten. Doch in den meisten Jahren blieb der Bruterfolg trotzdem sehr gering. Nur ausnahmsweise sind mehr als 5 Jungvögel pro Jahr flügge geworden. Die Hauptursachen hierfür sind innerartliche Konkurrenz sowie Nesträuber, insbesondere Wildschweine, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Gerade im oft besuchten Duvenstedter Brook kommt es aber auch immer wieder zu Störungen durch Spaziergänger, die sich nicht an das Wegegebot im Schutzgebiet halten.
Das Jahr 2012 schien anfänglich ebenfalls nicht besonders gut zu verlaufen: Trockenheit und Wärme im April sorgten wieder für zahlreiche Brutverluste. Doch der nasskalte Mai hat dann die Wende zum Besseren gebracht: „Insgesamt sieben Kranichpaare konnten wir im Lauf des Jahres mit Nachwuchs beobachten.“, so Stödter, „Ein Paar mit einem sowie sechs Paare mit jeweils zwei Jungvögeln. Macht also insgesamt 13 Jungvögel, die vermutlich auch alle flügge wurden – so viele wie noch nie!“
Außer auf Witterungsverläufe und ähnlich unbeeinflussbare Faktoren führen die Kranichschützer dieses gute Ergebnis auch auf die erfolgreiche Arbeit des NABU Arbeitskreises Walddörfer zurück. Während der Brutsaison organisieren sie alljährlich eine ehrenamtliche Naturschutzwache, die von Ende März bis Anfang Juli praktisch ständig im Gebiet präsent ist, Kraniche beobachtet, Besucher informiert und im Notfall auch mal Förster oder Flurwart zur Verstärkung holt. Und sobald im Herbst die Brunft beim Rot- und Damwild beendet ist, werden sie wieder zur Biotoppflege im Gebiet ausschwärmen, alte Entwässerungsgräben in der Moorheide verschließen oder aufkommenden Birkenbewuchs beseitigen.
Kranichschutz im Duvenstedter Brook
- Mythos Kranich - Sagenhafter Vogel der menschenleeren Wildnis?
- Kraniche am Stadtrand
- Schaffung von Ruhezonen
- Naturschutzwache
- Öffentlichkeitsarbeit für die Natur
Mythos Kranich - Sagenhafter Vogel der menschenleeren Wildnis?
Ist es die große und damit menschenähnliche Gestalt? Ist es die weit tragende, fanfarenartige Stimme? Oder ist es das majestätische Schreiten, der beeindruckende, Ballett-ähnliche Tanz? Seit Menschengedenken regt der Kranich unsere Fantasie an. Und selbst heute wird das Bild des Kranichs noch immer von falschen Vorstellungen und Vorurteilen bestimmt. Wenn wir an die Lebensräume des Kranichs denken, dann denken wir meist an weite, vom Menschen unberührte Naturlandschaften. Bilder von Sümpfen im Nordosten Europas, allenfalls von Brüchen in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg kommen uns in die Gedanken. Um so überraschter war die Öffentlichkeit, als 1980 ein Paar Kraniche im Duvenstedter Brook, also unmittelbar vor den Toren der Millionenstadt Hamburg, ihr Revier wählte. Schließlich lagen die letzten Brutnachweise aus diesem Gebiet fast ein Jahrhundert zurück.
Kraniche am Stadtrand
Die Vorkommen des Kranich in der damaligen Bundesrepublik waren zu
jener Zeit auf wenige Plätze im Herzogtum Lauenburg oder im Niedersächsischen Wendland beschränkt. Das Vorkommen im Brook war der zusammenhängenden Verbreitung vorgelagert - mithin der westlichste Brutplatz der Kraniche in Mitteleuropa! Und dann Kraniche ausgerechnet in einem Gebiet, das unmittelbar am Stadtrand von Hamburg liegt! Rundherum schließen sich die Baulücken, rückt die menschliche Besiedlung näher. Selbst an Wochentagen strömen Dutzende Spaziergänger in das Gebiet, an Wochenenden sogar Hunderte. Ostern, Erster Mai, Himmelfahrt, Pfingsten - Tage, die zum Ausflug ins Grüne einladen, liegen ausgerechnet mitten in der sensiblen Zeit der Brut und Jungvogel-Aufzucht. Wie sollte sich da ein Platz für solch "scheue Vögel der einsamen Wildnis" finden? Die Kraniche vom Brook scheint es wenig zu beeindrucken, denn seit 1980 zeigt die Bestandsentwicklung konstant nach oben. Mittlerweile kommen bis zu zehn Paare in den Brook und dessen unmittelbare Umgebung.
Schaffung von Ruhezonen
Eine der klassischen Maßnahmen des Artenschutzes ist die Schaffung von Ruhezonen: Im Naturschutzgebiet ist daher das Verlassen der Wege verboten. Info-Tafeln an allen Eingängen zum Brook weisen darauf hin. Über diese Beschränkung hinaus wurden seit der Unterschutzstellung verschiedene Wege gesperrt, zum Beispiel durchs Große Moor und durch den Urbrook in den 1960er Jahren sowie entlang des Scheidegrabens, entlang den zentralen Wiesenflächen und an der Ammersbek Ende der 1980er Jahre. Dadurch entstanden zwei große Bereiche von jeweils gut einem Quadratkilometer Fläche, in die kein Weg hinein führt. Während der Zeit der Brut und Aufzucht werden im Westen des Brookes zwei weitere Wege gesperrt, in der Regel von Anfang März bis in den Juli, so dass hier eine dritte große Ruhezone entsteht.
Naturschutzwache
Die ehrenamtliche Naturschutzwache des NABU Walddörfer achtet auf die Einhaltung der Gebote, sammelt Daten zum Vorkommen der Kraniche (und anderer Vogelarten) und steht Besuchern Rede und Antwort. Als Unterkunft diente von 1981 bis 1995 ein alter Wohnwagen. So attraktiv die Unterbringung unmittelbar am Ort des Geschehens auch war, die äußerst spartanische Unterkunft ohne nennenswerte Beheizung und ohne geregelte Ver- und Entsorgung machte diese Variante zu einer Zumutung für Mensch und Umwelt. Seit 1996 wohnen unsere Naturschutzwachen in den Räumen der Umweltbehörde auf dem Gelände der
Forstdienststelle mitten im Brook. Uns steht hier ein festes Gebäude mit geregelter Heizung, Wasseranschluss und (nicht nur aus ökologischer Sicht besonders wichtig) einem WC mit ordnungsgemäßer Entsorgung zur Verfügung. So sehr wir diese bequeme Lösung auch zu schätzen wissen, wollen wir aber doch nicht verhehlen, dass die Gebäude mitten im Naturschutzgebiet letztlich doch eine massive Störung der Natur mit sich bringen. Unser erklärtes Ziel lautet daher, langfristig alle Gebäude (also auch die derzeitige Unterkunft) aus dem Schutzgebiet heraus zu bekommen.
Öffentlichkeitsarbeit für die Natur
Seit Herbst 1997 steht mit dem neuen Informationshaus am Triftweg eine herausragende Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Umweltpädagogik zur Verfügung. Der NABU und andere Naturschutzverbände veranstalten hier Vorträge und Führungen, um der Bevölkerung die heimische Natur und deren Schutz nahe zu bringen. Und gerade der Kranich ist hier natürlich der "Lockvogel", über den so mancher den Einstieg in den ehrenamtlichen Naturschutz gefunden hat. Golddickkopf, Zwerg-Igelkolben oder Bauchige Windelschnecke mögen da noch viel seltener, bedrohter sein, doch zum persönlichen Engagement reizen sie kaum...
Walddörfer
Die Hamburgischen Walddörfer gehören heute noch zu den "grünsten" Regionen der Hansestadt. Noch immer bieten hier zahlreiche kleinere und größere Schutzgebiete einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ihren Lebensraum. An den Tümpeln und Teichen fliegen Libellen und quaken Frösche. In unseren Wäldern leben noch Spechte, Marder und Dachse. In den Mooren wächst noch das Wollgras. Auf einigen versteckten Wiesen blühen noch Orchideen. Und der kundige Spaziergänger findet sogar wieder Uhu und Kranich vor unserer Haustür.
Der NABU Walddörfer setzt sich dafür ein, dass dies möglichst auch so bleibt. Denn die Bedrohungen für Flora und Fauna durch die wachsende Stadt sind vielfältig.
Mehr

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
m November 2007 startet der Podcast der NABU. Das heißt, ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Nicht nur Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
Kuckucks-Desktopmotiv
Klassisch oder interaktiv mit Active Desktop! Mit dem Bild zum Vogel des Jahres 2008 gibt es jetzt auf Wunsch auch täglich aktuelle NABU-News und Termine direkt auf dem Desktop.
Verbandsnetz
Wer und was ist bei der Naturschutzarbeit versichert? Bin ich auch geschützt, wenn ich auf dem Weg in die Vorstandssitzung einen Unfall erleide?
