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2010 kaum Kranichnachwuchs im Brook
2010 kaum Kranichnachwuchs im Brook
NABU sieht als Ursache für den geringen Bruterfolg der Kraniche fallende Wasserstände und Wildschweine
13. September 2010 -
Der NABU-Arbeitskreis Walddörfer hat jetzt Bilanz des diesjährigen Brutgeschäfts der Hamburger Kraniche gezogen. Nachdem Eis und Schnee im vergangenen Winter für einen Abzug der Kraniche aus dem Brook gesorgt hatten, musste es im März schnell gehen mit dem Bezug der Reviere. Auch in diesem Jahr bezogen etwa 12 bis 14 Kranichpaare im Duvenstedter Brook und seiner Umgebung ihre Quartiere, mindestens neun von ihnen innerhalb der Grenzen der Hansestadt Hamburg, der Rest im holsteinischen Umland.
Schnell holten die Kraniche die witterungsbedingten Verspätungen wieder auf, und Anfang April saßen die meisten von ihnen auf ihren Gelegen. Doch Erfolg war leider nur den wenigsten beschieden. „Wir wissen nur von zwei Paaren mit zusammen drei Jungvögeln, die ihren Nachwuchs flügge bekommen haben. Ein drittes Paar hat seinen Jungvogel offenbar während der Aufzucht, alle anderen haben bereits ihre Gelege vor dem Schlüpfen verloren“, weiß Jens-Peter Stödter vom NABU Walddörfer zu berichten. Dass im Verhältnis zur Zahl der Revierpaare nur so wenige Jungkraniche flügge wurden, hat sicher verschiedene Gründe. Doch die Hauptursache sehen die Naturschützer in den Wasserständen im Brook: „Zwar hatte die Schneeschmelze für ein ausreichendes Ansteigen des Wasserspiegels im Gebiet gesorgt, doch der April blieb auch in diesem Jahr wieder viel zu trocken. Tümpel, Bruchwälder und Sumpfbiotope sind daher viel zu früh trocken gefallen, so dass Fressfeinde sie mühelos erreichen konnten. Der Brook bietet dann für eine solche Zahl an Kranichpaaren nicht ausreichend sichere Brutplätze. Früher oder später finden die reichlich vorhandenen Wildschweine die Gelege und fressen die Eier.“
Dies möchte der NABU Walddörfer ausdrücklich nicht als Kritik an den hiesigen Jägern verstanden wissen. „Die tun schon, was sie können“, meint Stödter. „Doch dank optimaler ‚Futterversorgung’ beispielsweise durch verstärkten Anbau von Mais und Raps im Umfeld des Brooks können sich die Wildschweine stärker vermehren, als uns allen lieb ist.“ Bleibt den Kranichschützern nur eins: Zu hoffen, dass die Kranichbestände im Brook durch Zuzug von außerhalb stabil bleiben. Und dass eines Tages wieder weniger Wildschweine durch Feld und Flur ziehen.
Kranichschutz im Duvenstedter Brook
- Mythos Kranich - Sagenhafter Vogel der menschenleeren Wildnis?
- Kraniche am Stadtrand
- Schaffung von Ruhezonen
- Naturschutzwache
- Öffentlichkeitsarbeit für die Natur
Mythos Kranich - Sagenhafter Vogel der menschenleeren Wildnis?
Ist es die große und damit menschenähnliche Gestalt? Ist es die weit tragende, fanfarenartige Stimme? Oder ist es das majestätische Schreiten, der beeindruckende, Ballett-ähnliche Tanz? Seit Menschengedenken regt der Kranich unsere Fantasie an. Und selbst heute wird das Bild des Kranichs noch immer von falschen Vorstellungen und Vorurteilen bestimmt. Wenn wir an die Lebensräume des Kranichs denken, dann denken wir meist an weite, vom Menschen unberührte Naturlandschaften. Bilder von Sümpfen im Nordosten Europas, allenfalls von Brüchen in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg kommen uns in die Gedanken. Um so überraschter war die Öffentlichkeit, als 1980 ein Paar Kraniche im Duvenstedter Brook, also unmittelbar vor den Toren der Millionenstadt Hamburg, ihr Revier wählte. Schließlich lagen die letzten Brutnachweise aus diesem Gebiet fast ein Jahrhundert zurück.
Kraniche am Stadtrand
Die Vorkommen des Kranich in der damaligen Bundesrepublik waren zu
jener Zeit auf wenige Plätze im Herzogtum Lauenburg oder im Niedersächsischen Wendland beschränkt. Das Vorkommen im Brook war der zusammenhängenden Verbreitung vorgelagert - mithin der westlichste Brutplatz der Kraniche in Mitteleuropa! Und dann Kraniche ausgerechnet in einem Gebiet, das unmittelbar am Stadtrand von Hamburg liegt! Rundherum schließen sich die Baulücken, rückt die menschliche Besiedlung näher. Selbst an Wochentagen strömen Dutzende Spaziergänger in das Gebiet, an Wochenenden sogar Hunderte. Ostern, Erster Mai, Himmelfahrt, Pfingsten - Tage, die zum Ausflug ins Grüne einladen, liegen ausgerechnet mitten in der sensiblen Zeit der Brut und Jungvogel-Aufzucht. Wie sollte sich da ein Platz für solch "scheue Vögel der einsamen Wildnis" finden? Die Kraniche vom Brook scheint es wenig zu beeindrucken, denn seit 1980 zeigt die Bestandsentwicklung konstant nach oben. Mittlerweile kommen bis zu zehn Paare in den Brook und dessen unmittelbare Umgebung.
Schaffung von Ruhezonen
Eine der klassischen Maßnahmen des Artenschutzes ist die Schaffung von Ruhezonen: Im Naturschutzgebiet ist daher das Verlassen der Wege verboten. Info-Tafeln an allen Eingängen zum Brook weisen darauf hin. Über diese Beschränkung hinaus wurden seit der Unterschutzstellung verschiedene Wege gesperrt, zum Beispiel durchs Große Moor und durch den Urbrook in den 1960er Jahren sowie entlang des Scheidegrabens, entlang den zentralen Wiesenflächen und an der Ammersbek Ende der 1980er Jahre. Dadurch entstanden zwei große Bereiche von jeweils gut einem Quadratkilometer Fläche, in die kein Weg hinein führt. Während der Zeit der Brut und Aufzucht werden im Westen des Brookes zwei weitere Wege gesperrt, in der Regel von Anfang März bis in den Juli, so dass hier eine dritte große Ruhezone entsteht.
Naturschutzwache
Die ehrenamtliche Naturschutzwache des NABU Walddörfer achtet auf die Einhaltung der Gebote, sammelt Daten zum Vorkommen der Kraniche (und anderer Vogelarten) und steht Besuchern Rede und Antwort. Als Unterkunft diente von 1981 bis 1995 ein alter Wohnwagen. So attraktiv die Unterbringung unmittelbar am Ort des Geschehens auch war, die äußerst spartanische Unterkunft ohne nennenswerte Beheizung und ohne geregelte Ver- und Entsorgung machte diese Variante zu einer Zumutung für Mensch und Umwelt. Seit 1996 wohnen unsere Naturschutzwachen in den Räumen der Umweltbehörde auf dem Gelände der
Forstdienststelle mitten im Brook. Uns steht hier ein festes Gebäude mit geregelter Heizung, Wasseranschluss und (nicht nur aus ökologischer Sicht besonders wichtig) einem WC mit ordnungsgemäßer Entsorgung zur Verfügung. So sehr wir diese bequeme Lösung auch zu schätzen wissen, wollen wir aber doch nicht verhehlen, dass die Gebäude mitten im Naturschutzgebiet letztlich doch eine massive Störung der Natur mit sich bringen. Unser erklärtes Ziel lautet daher, langfristig alle Gebäude (also auch die derzeitige Unterkunft) aus dem Schutzgebiet heraus zu bekommen.
Öffentlichkeitsarbeit für die Natur
Seit Herbst 1997 steht mit dem neuen Informationshaus am Triftweg eine herausragende Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Umweltpädagogik zur Verfügung. Der NABU und andere Naturschutzverbände veranstalten hier Vorträge und Führungen, um der Bevölkerung die heimische Natur und deren Schutz nahe zu bringen. Und gerade der Kranich ist hier natürlich der "Lockvogel", über den so mancher den Einstieg in den ehrenamtlichen Naturschutz gefunden hat. Golddickkopf, Zwerg-Igelkolben oder Bauchige Windelschnecke mögen da noch viel seltener, bedrohter sein, doch zum persönlichen Engagement reizen sie kaum...
Geflügelte Juwelen aus dem Brook
Ein Diavortrag im Infohaus Duvenstedter Brook bildet den Auftakt des neuen Jahresprogramms vom NABU Hamburg. Am Freitag, 3. Februar 2012, 19 Uhr wird der Diavortrag "Von Goldschrecken und Perlmutterfaltern – Bilder aus der Insektenwelt des Duvenstedter Brooks und Umgebung" von Jens-Peter Stödter vorgestellt.
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Walddörfer
Die Hamburgischen Walddörfer gehören heute noch zu den "grünsten" Regionen der Hansestadt. Noch immer bieten hier zahlreiche kleinere und größere Schutzgebiete einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ihren Lebensraum. An den Tümpeln und Teichen fliegen Libellen und quaken Frösche. In unseren Wäldern leben noch Spechte, Marder und Dachse. In den Mooren wächst noch das Wollgras. Auf einigen versteckten Wiesen blühen noch Orchideen. Und der kundige Spaziergänger findet sogar wieder Uhu und Kranich vor unserer Haustür.
Der NABU Walddörfer setzt sich dafür ein, dass dies möglichst auch so bleibt. Denn die Bedrohungen für Flora und Fauna durch die wachsende Stadt sind vielfältig.
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