Hamburg.NABU.de Themen Naturschutz
Naturschutz massiv unterfinanziert!
Von Indien über Brüssel bis Bergedorf: Der Naturschutz ist massiv unterfinanziert!
NABU: Hamburger Senat muss Finanzierung für die biologische Vielfalt und die Pflege und Entwicklung der Naturschutzgebiete ausbauen! / Fünf Euro pro Jahr und Kopf notwendig!
Die Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden profitiert umgehend vom Vertragsnaturschutz.
12. Oktober 2012 -
Anlässlich des Weltnaturschutzgipfels im indischen Hyderabad (8.-19.10.), auf dem um die notwendigen Mittel für internationalen Naturschutz gerungen wird, und dem Streit um Naturschutzmittel im EU-Haushalt, fordert der NABU Hamburg nun auch den Hamburger Senat auf, endlich die notwendigen finanziellen Weichen für die Rettung der biologischen Vielfalt in der Hansestadt zu stellen. Laut EU-Kommission könnten die Kosten des Artenverlusts allein in Europa bis 2050 auf jährlich eine Billion Euro steigen. Dass das notwendige Geld vorhanden ist, beweist die EU derzeit durch ihre Agrarsubventionen. Trotz Finanzkrise sind die EU-Länder auf dem besten Wege, 40 Milliarden Euro jährlich allein für umweltschädliche Direktzahlungen an die Landwirtschaft bis 2020 zu beschließen. Gegen Naturschutzbindungen agiert dabei auch Deutschlands Agrar-Ministerin Ilse Aigner.
Hamburg verfügt zwar über einen vergleichsweise großen Anteil an Naturschutzgebieten, doch ist die Pflege und Entwicklung dieser Gebiete rundweg unterfinanziert. „Wenn selbst Hamburg als reichste Region Deutschlands nicht bereit ist, den Erfordernissen für den Naturschutz gerecht zu werden, können wir in Hyderabad entsprechende Anstrengungen nicht von den ärmeren Ländern verlangen“, ist Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg überzeugt. „Die Hansestadt muss mit gutem Beispiel vorangehen und zukünftig für den Naturschutz fünf Euro pro Einwohner und Jahr investieren.“ Die zurzeit veranschlagten circa drei Euro pro Kopf und Jahr reichen vorne und hinten nicht.
Hamburg: niedriger Stellenwert des Naturschutzes
Trauerseeschwalbe
In der Hamburger Politik genießt der Schutz der Artenvielfalt nach Ansicht des NABU einen niedrigen Stellenwert. Dies zeige sich an der finanziellen Ausstattung des zuständigen Naturschutzamtes und der zuständigen Bezirke: Gerade mal 544.000,- Euro/Jahr sind für die Pflege und Entwicklung der 31 Hamburger Naturschutzgebiete im Haushalt 2013/2014 vorgesehen. Der Haushaltstitel für den so genannten Vertragsnaturschutz, der eine extensive, naturverträgliche Landwirtschaft in den Schutzgebieten fördert, hat sich im kommenden Haushalt im Vergleich zu dem Haushaltsergebnis 2010/2011 nahezu halbiert. Begrüßenswert seien nach Ansicht des NABU zwar die beabsichtigte Einrichtung eines Biotopverbundes und die Schaffung neuer Naturschutz¬gebiete, wie z.B. im Holzhafen. Doch für die notwendige Pflege und Entwicklung sei der Senat nicht mal annähernd gewillt, die entsprechenden finanziellen Mittel bereit zu stellen. Stattdessen sollen die zusätzlichen Aufgaben ebenfalls mit dem derzeitigen, bereits jetzt zu niedrigen Naturschutz-Budget mitfinanziert werden. „Wie der Senat so die Artenvielfalt effektiv erhalten will, bleibt allein sein Geheimnis“, ist Porschke empört. „Doch damit nicht genug: Obwohl der Naturschutz bereits finanziell schlecht aufgestellt ist, erwägt Hamburg nun auch noch, auf Mittel für den Vertragsnaturschutz aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond (ELER) zu verzichten.“ Der NABU-Chef sieht hier dringenden Handlungsbedarf und fordert, in der Hansestadt zukünftig fünf Euro pro Einwohner und Jahr für den Naturschutz zu investieren. „So viel sollte uns allen ein einigermaßen guter ökologischen Zustand der Hamburger Naturschutzgebiete Wert sein“, meint Porschke und verspricht: „Wir werden Senat und Parteien daran messen, wie sie sich zu dieser Forderung positionieren.“
Bergedorf: Auswirkungen in den Naturschutzgebieten
Welche Auswirkungen die Unterfinanzierung im Naturschutz hat, lässt sich gut am Beispiel der Naturschutzgebiete in Bergedorf veranschaulichen. Pro Jahr müsste der Bezirk Bergedorf für die in seiner Zuständigkeit befindlichen Naturschutzgebiete „Kirchwerder Wiesen“, „Zollenspieker“ und „Kiebitzbrack“ durchschnittlich ein Budget von 620.000,- Euro zur Verfügung haben, um die in den Pflege- und Entwicklungsplänen (PEP) formulierten Maßnahmen umsetzen zu können. Dem gegenüber steht das tatsächliche Pflegebudget in Bergedorf von rund 21.000 Euro.
Das Naturschutzgebiet „Kirchwerder Wiesen“ besteht zu 74 % aus Grünland und zu 17 % aus Gewässern (13 % Gräben) und wird vom NABU betreut. In diesem Gebiet sollen laut Naturschutzverordnung besonders die Gräben und das Grünland mit seinen Wiesenvögeln geschützt werden. „Der Räum- und Pflegestau in den letzten Jahrzehnten führen in den Gräben zur Verlandung“, erläutert Christian Gerbich, NABU-Naturschutzreferent. „Darunter leidet beispielsweise die Trauerseeschwalbe, die freie Wasserflächen mit einer Schwimmpflanzendecke benötigt. In der 1970er Jahren gab es in den Kirchwerder Wiesen noch 50 Paare, heute sind es gerade mal noch fünf.“ Um hier eine ökologische Verbesserung zu erzielen, müssten pro Jahr bis zu 70 km Gräben geräumt werden. Die Kosten dafür entsprächen einem Finanzvolumen von rund 50 % des derzeitigen Pflege- und Entwicklungsetats der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.
Für einen nachhaltigen Schutz der Wiesenvögel, wie z.B. der vom Aussterben bedrohten Bekassine, heute zum Vogel des Jahres 2013 gekürt, sind gemäß PEP im Naturschutzgebiet „Kirchwerder Wiesen“ Mittel in Höhe von 206.400,- Euro pro Jahr für die entsprechende Pflege des Grünlands erforderlich. Dieser Betrag entspricht allein schon mehr als 50 % des beantragten Haushaltstitels 2013/2014 für den Vertragsnaturschutz im gesamten Stadtgebiet.
„Der Erhalt der Artenvielfalt benötigt nicht nur guten Willen, sondern auch eine angemessene finanzielle Ausstattung der zuständigen Behörden“, bekräftigt der NABU-Chef. „Wenn nicht einmal die reichste Region Deutschlands, den Artenschutz endlich ernst nimmt und auch Taten folgen lässt, werden wir das derzeit größte Artensterben seit Aussterben der Dinosaurier nicht mehr aufhalten.“
Rückfall in die 70er Jahre!
NABU kritisiert SPD für den Vorstoß zum Erhalt der „Hafenprivilegierung“

Am 10. Februar 2010 wird die SPD-Fraktion einen Antrag zur Beibehaltung der so genannten Hafenprivilegierung im Hamburgischen Naturschutzgesetz in die Bürgerschaft einbringen . Der NABU kritisiert, dass die SPD damit eine völlig überholte und aus Naturschutzsicht nicht akzeptable Regelung aus dem letzten Jahrhundert zementieren will. Zum Hintergrund: Außerhalb des Hamburger Hafens ist nach dem gültigen Naturschutzrecht ein Ausgleich für Naturzerstörungen erforderlich, im Hamburger Hafen bisher aber nach dem Landes-Naturschutzgesetz nicht.
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Lob für größeres Naturschutzgebiet
NABU: Weitere Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt notwendig

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NABU appelliert an Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete dem Entwurf des neuen Naturschutzgesetzes nicht zuzustimmen

Der NABU hat jetzt an alle Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten einen Brief geschrieben mit dem Appell, am 5. Mai 2010 in der Bürgerschaftssitzung der Novelle des Hamburger Naturschutzgesetzes nicht zuzustimmen. In dem Brief weist der 1. Vorsitzende des NABU Hamburg, Alexander Porschke darauf hin, dass der vorliegende Gesetzentwurf „Umwelt- und Wirtschaft gleichermaßen schädigt“.
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Kompensationen im Naturschutz
Verbände einig: Naturzerstörungen vermeiden oder wirksam kompensieren!

Das geltende Naturschutzrecht verpflichtet dazu, Zerstörungen in Natur und Landschaft durch Bauvorhaben zu kompensieren. Damit ist gemeint, dass an anderer Stelle ein Ausgleich für die zerstörte Natur geschaffen werden muss. Bevor es aber soweit kommt, muss zunächst ernsthaft geprüft werden, ob die ökologische Belastung tatsächlich erforderlich ist. Zu diesen Prinzipien haben Vertreter von NABU, BUND, Zukunftsrat und evangelischer Kirche am 19. Juni nach einem einjährigen Diskussionsprozess eine gemeinsame Linie erarbeitet.
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Artenvielfalt in Hamburg
Beiträge der Veranstaltung "StadtNatur: Bedeutung und Perspektiven der städtischen Biodiversität" am 12.11.2010
Die Veranstaltung "StadtNatur: Bedeutung und Perspektiven der städtischen Biodiversität" hat sich am 12.11.2010 mit der Bedeutung und aktuellen Herausforderungen für die biologische Vielfalt im Siedlungsbereich beschäftigt, Informationen zur städtischen Biodiversität in Hamburg gegeben, sich mit der Frage "Innenentwicklung zu Lasten der Natur in der Stadt?" beschäftigt und Lösungsansätze im Rahmen von Bauvorhaben oder im städtischen Grün aufgezeigt. Informieren Sie sich über die Veranstaltung und die Themen im einzelnen.
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