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Chefsache Artenschutz
Lautlos wie das Artensterben
NABU-Pantomime für den Erhalt der biologischen Vielfalt / Appell an Ole von Beust
"Ole von Beust" beginnt mit der ARbeit an seinem Schreibtisch. Der Natur - symbolisiert durch den Baum und die Tiere - geht es noch gut.
Anlässlich der Weltnaturschutzkonferenz in Bonn vom 19. bis 30. Mai 2008 führte der NABU Hamburg am 26. Mai auf der Reesendammbrücke in der Nähe des Hamburger Rathauses ein einmaliges Pantomimenstück auf. Die Pantomime verdeutlichte von Beusts Naturschutzpolitik der vergangenen sechs Jahre und die zentrale Forderung des NABU an den Ersten Bürgermeister, sich umgehend für den Erhalt der Artenvielfalt in Hamburg einzusetzen. Denn die Diskussionen bei der Weltnaturschutzkonferenz zeigen einmal mehr, dass globales, nationales und vor allem aber auch regionales Handeln dringend und sofort erforderlich ist.
Der Schreibtisch füllt sich mit Aktenordnern wie "Elbvertiefung", "Baugebiete" und andere.
"Ole von Beust muss den Erhalt der biologischen Vielfalt in unserer Stadt wie den Klimaschutz endlich zur Chefsache machen", forderte NABU-Landesgeschäftsführer Stephan Zirpel. "Jetzt muss endlich Schluss sein mit dem jahrelangen Nichtstun! Der Senat muss sofort handeln. Wir brauchen eine reiche biologische Vielfalt für stabile Ökosysteme, von denen wir unmittelbar abhängen und leben." In dem Pantomimenstück verdeutlichte ein als Ole von Beust verkleideter NABU-Mitarbeiter dieses "Nichtstun" während dessen ersten sechs Regierungsjahre: Bei seiner Arbeit am Schreibtisch fielen die darauf stehenden Tiere und Pflanzen unbeabsichtigt, aber reihenweise "hinten" runter. Eine NABU-Mitarbeiterin machte "Ole von Beust" auf dieses "Artensterben" aufmerksam.
Nun ist kaum noch Platz für die Natur. Die Tiere fallen "hinten" runter.
Der Bürgermeister zeigte sich daraufhin einsichtig und integrierte die Tiere und Pflanzen stellvertretend für den Artenschutz in seine Aktenordner und damit in seine Politik. Zirpel: "Diese Einsicht erhoffen wir uns von Herrn von Beust auch im realen Leben. Denn für die Artenvielfalt ist es bereits drei vor zwölf." Aktuell sind in Hamburg 55% der Pflanzenarten, 88% der Amphibienarten, 39% der Säugetierarten und 83% der Schmetterlingsarten gefährdet. 34 % der Brutvögel stehen auf der Roten Liste. "So lautlos wie unser Pantomimenstück findet auch das Artensterben statt", betonte Zirpel. "Wie im Klimaschutz kommt es uns aber erheblich billiger, heute in den Erhalt der Artenvielfalt zu investieren. Verharren wir weiter im Nichtstun wie bisher, lässt sich später der Schaden womöglich nicht einmal mehr reparieren. Denn eine verloren gegangene Art kommt nie mehr wieder!"
Der NABU macht "Ole von Beust" auf das "Artensterben" aufmerksam.
Der NABU forderte Ole von Beust daher auf, umgehend eine regionale Strategie für den Erhalt der Artenvielfalt zu erarbeiten und umzusetzen. "Gefährdet sind Tiere und Pflanzen und deren Lebensräume beispielsweise durch den immensen Flächenverbrauch von derzeit 360 Hektar pro Jahr", erklärte Zirpel. "Herr von Beust muss hier umsteuern und den Flächenverbrauch auf maximal 60 Hektar pro Jahr begrenzen." Für die Betreuung und Entwicklung der Naturschutzgebiete müsse der Senat darüber hinaus die Finanz- und Personalmittel für die Naturschutzverwaltung erheblich aufstocken, um den Anforderungen für den Erhalt der biologischen Vielfalt gerecht zu werden. Aus Sicht des NABU fehlt es in Hamburg außerdem an einem Biotopverbund, der die einzelnen Schutzgebiete vernetzt. Nur so könne der für den Arterhalt notwendige Austausch von Tieren und Pflanzen zwischen den Gebieten gewährleistet werden, so der Naturschützer.
"Ole von Beust" macht daraufhin den Erhalt der Artenvielfalt zur Chefsache und integriert den Naturschutz in alle zukünftigen Planungen - so zumindest der Wunsch des NABU an Hamburgs Ersten Bürgermeister.
"Hierfür benötigt Hamburg eine funktionierende Landschaftsplanung, die bisher aber kaum existierte", erklärte Zirpel. "Als Flächeneigentümerin könnte unsere Stadt übrigens erheblich zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Statt stadteigene, wertvolle Naturflächen zur Gewinnmaximierung zu verpachten, sollte Hamburg diese nur unter Auflagen für den Erhalt von Tieren und Pflanzen abgeben." Bis heute drücke sich Hamburg hier aber vor der Verantwortung. Dringend erforderlich sei auch eine Bestandserhebung aller in Hamburg lebenden Tier- und Pflanzenarten. Für einzelne gefährdete Arten müsse die Stadt Schutzprogramme auflegen, so der NABU.

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