Hamburg.NABU.de Themen Biodiversität

Artenschutz im bezirklichen Wettbewerb

Artenschutz im bezirklichen Wettbewerb

NABU zieht im Internationalen Jahr der Biodiversität zum zweiten Mal Bilanz der Bezirks-Patenschaften für Tiere, Pflanzen und Lebensräume: Mitte Top!

Haussperling

Das Patentier des diesjährigen Gewinners, des Bezirks Mitte: der Haussperling

In seiner Bilanz zu den Bezirks-Patenschaften 2010 kommt der NABU Hamburg in diesem Jahr nach einer Auswertung der Bezirksauskünfte zu folgendem Ergebnis: 1. Mitte (2009: 2, Pate des Haussperlings), 2. Wandsbek (1, Forellenbach), 3. Bergedorf (3, Eisvogel), 4. Harburg (7, Grasfrosch), 5. Altona (5, Kiebitz), 6. Nord (6, Gagelstrauch und Winterlibelle) und 7. Eimsbüttel (4, Großer Abendsegler). Die Bezirke hatten im Vorfeld der internationalen Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Mai 2008 diese Patenschaften übernommen. Damit sollte auf Bezirksebene beispielhaft für das Artensterben sensibilisiert werden und die Bezirke konkrete Aktivitäten für deren Schutz entwickeln und umsetzen. Bereits bis zum Jahr 2010 sollte europaweit das Artensterben gestoppt werden, bekanntlich aber ohne Erfolg.

Abendsegler

Das Patentier des Bezirks Eimsbüttel, dem Rangletzten 2010: Der Große Abendsegler.

„Unser Bezirksranking zeigt, dass auch mit knappen finanziellen Mitteln etwas für die Artenvielfalt in den Bezirken erreicht werden kann“, sagt Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg. „Entscheidend ist der Wille!“ Und daran mangle es offensichtlich in den Bezirken Altona, Nord und Eimsbüttel. Während die Bezirke der ersten vier Plätze (Mitte, Wandsbek, Bergdorf und Harburg) sich verantwortungsvoll um ihre Patenschaften gekümmert haben, sucht man bei auf den hinteren Rängen vergeblich nach entsprechenden Schutzmaßnahmen, geschweige denn nach einem Konzept dafür. „Der Bezirk Mitte ist sehr professionell an die Sache herangegangen“, lobt der NABU-Chef. „Er ließ erst einmal ein Gutachten erstellen, auf dessen Grundlage nun die Maßnahmen zum Schutz des Hausperlings konzipiert und umgesetzt werden. Das ist vorbildlich.“ Allein 2009 habe der Bezirk rund 100 Nistkästen rund um die Alster aufgehängt. Porschke: „Bei diesem Engagement fiel es uns leicht, diesen Bezirk zum Gewinner unseres Ranking zu küren.“ Dass „Wandsbek“ nun „nur“ noch auf Platz 2 steht, liegt weniger an mangelndem Engagement, sondern vielmehr an der diesjährigen Qualität der Schutzmaßnahmen vom Bezirk Mitte. Eine erstaunliche Entwicklung machte Harburg. Dieser Bezirk schaffte den Sprung von Platz 7 auf Platz 4, weil dort ein Amphibienteich angelegt und Kartierungen als Grundlage für weitere Schutzmaßnahmen durchgeführt wurden.

Nach Ansicht des NABU kommt den Bezirken eine immer wichtigere Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt zu. Denn viele Entscheidungen, die die heimische Tier- und Pflanzenwelt unmittelbar betreffen, fallen in den Bezirken. „Allerdings unterlaufen die Bezirke selbst nicht selten ihre eigenen Bemühungen um die Artenvielfalt“, kritisiert Porschke. „Es gibt zu wenig Vernetzung der Grün- und Freiflächen, Eingriffe werden mangelhaft oder gleich gar nicht ausgeglichen und mit fortschreitender Versiegelung werden Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört. So ist das Artensterben nicht zu stoppen!” Wie schlecht es um den Natur- und Artenschutz in Hamburg bestellt ist, hat der Landesrechnungshof erst kürzlich in seinem Jahresbericht 2010 festgestellt. Fehlende Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Bauvorhaben sind in den Hamburger Bezirken ebenso an der Tagesordnung wie mangelhafte oder gänzlich fehlende Pflege- und Entwicklungspläne in den Naturschutzgebieten. Der NABU wird sich deshalb künftig noch stärker dem bezirklichen Naturschutz widmen. „Auch die Bezirke müssen ihre Beiträge leisten, wenn Hamburg sich 2011 zu Recht Europäische Umwelthauptstadt nennen will“, meint Porschke. „Wenn sie dafür Unterstützung gegenüber dem Senat brauchen, können sie mit unserer Hilfe rechnen. Ökologische Ignoranz in den Bezirken wird uns aber auch nicht entgehen.“

Patenschaften der Hamburger Bezirke - Bewertungskriterien und Rangfolge des NABU Hamburg

Wandsbek Top! Harburg Flop!

NABU: Bezirke nur zögerlich beim Schutz ihrer Patentiere und –pflanzen / kein ausreichender Stellenwert für den Erhalt der Artenvielfalt in der Politik

08. April 2009 - Im Vorfeld der internationalen Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Mai 2008 in Bonn übernahm jeder der sieben Hamburger Bezirke eine Patenschaft über seltene Tiere, Pflanzen oder Lebensräume. Der NABU zieht nun Bilanz der Bezirksaktivitäten zu diesen Patenschaften und präsentiert eine Rangliste der Bezirke: 1. Wandsbek (Forellenbach) 2. Bezirk Mitte (Haussperling), 3. Bergedorf (Eisvogel), 4. Eimsbüttel (Großer Abendsegler), 5. Altona (Kiebitz), 6. Nord (Gagelstrauch und Winterlibelle) und 7. Harburg (Grasfrosch). Die wesentliche Erkenntnis dieser Bilanz sei aber, dass nach massiven Kürzungen im Naturschutz den Bezirken bei dem Kampf gegen das Artensterben die Hände gebunden sind, so der NABU.

Solange Grün- und Freiflächen bebaut und damit Lebensraum für tiere und Pflanzen zerstört wird, kann das Artensterben nicht gestoppt werden.

„Bei der Bilanzierung muss man berücksichtigen, dass den Bezirken die Patenschaften von oben verordnet wurden, ohne dafür zusätzliche finanzielle und personelle Mittel bereitzustellen“, kritisiert Stephan Zirpel, Geschäftsführer des NABU Hamburg. “Außerdem hat sich die Situation für den Naturschutz auf Bezirksebene nach der Bezirksverwaltungreform und der Zerschlagung der Naturschutzreferate insgesamt verschlechtert.“ Der anhaltende Flächenfraß konterkariere zudem jegliche Bemühungen der Bezirke um ihre Patenschaften. “Solange die Bezirke weiterhin Grün- und Freiflächen bebauen und damit Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstören, wird das Artensterben nicht zu stoppen sein”, ist sich Zirpel sicher. “Wir brauchen daher auf politischer Ebene den unbedingten Willen, die biologische Vielfalt zu erhalten. Dieser fehlt zurzeit aber noch in der notwendigen Konsequenz.”

Trotz der schwierigen Ausgangslage haben einzelne Bezirke für ihre Patenschaft aber doch einiges in die Wege leiten können. Der Bezirk Wandsbek ist dabei eindeutig Spitzenreiter der NABU-Rangliste. “Wandsbek hat bereits lange vor der Übernahme der Patenschaft erhebliche Schritte unternommen, um für die Forelle naturnahe Gewässer zu entwickeln”, erklärt Zirpel: „Damit ist dieser Bezirk mit seinen Aktivitäten der Leuchtturm unter den Bezirken.“ Der Bezirk Mitte hat dagegen aus dem Stand heraus auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Untersuchung ein Spatzenschutzkonzept erstellt, das er nun Schritt für Schritt umsetzen. Gleich danach folgt der Bezirk Bergedorf, der für sein Patentier, den Eisvogel, bereits einen Brutcontainer aufgestellt hat und nun jedes Jahr einen weiteren errichten möchte. Darüber hinaus will Bergedorf seine Gewässer möglichst naturnah gestalten und so den Lebensraum für den Eisvogel verbessern. Der Eisvogel soll auch in Zukunft Patentier bleiben. Auch der Bezirk Eimsbüttel hat bereits gehandelt: Er hängte 10 Fledermauskästen für den Großen Abendsegler auf.

„Das sind die Top vier unserer Rangliste“, sagt Zirpel. „Darunter sucht man bei den Bezirken die Aktivitäten für ihr Patentier oder ihre Patenpflanze mit der Lupe.“ Weder Altona (5) noch Nord (6) und Harburg (7) glänzten mit einem entschiedenen Vorgehen für ihre Schützlinge. Manche Bezirke ruhen sich auf bisherige Maßnahmen aus wie Wandsbek (Forellenbach) und Harburg (Grasfrosch), andere wie Altona (Kiebitz) versuchen, über Vereinbarungen zum Beispiel mit Landwirten etwas für ihr Patentier zu erreichen. Dem 5. bis 7. Platz gemeinsam ist, dass diese Bezirke von vornherein keine Maßnahmen zum Schutz ihrer Patentiere und Patenpflanzen geplant hatten.

Rangliste der Patenschaften der Hamburger Bezirke 2009

Schwarz-Grün in der Pflicht!

NABU fordert regionale Strategie zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in Hamburg

Sturmmöwen

Sturmmöwen im Hamburger Hafen

14. Mai 2008 - Anlässlich der Weltnaturschutzkonferenz in Bonn vom 19. bis 30. Mai 2008 hat der NABU Hamburg heute seinen Maßnahmenkatalog zum Erhalt der Artenvielfalt in der Hansestadt vorgestellt. Damit stellt der NABU vor allem an den neuen Senat aus CDU und GAL konkrete Forderungen. Denn dieser ist aus Sicht des NABU jetzt in der Pflicht, sofort erhebliche Anstrengungen für den Erhalt der Artenvielfalt in Hamburg zu unternehmen. Immerhin habe Deutschland sich verpflichtet, bis 2010 den Artenschwund zu stoppen, so der NABU. Hamburg zeichnet sich zwar durch eine hohe Artenvielfalt aus und ist einer von acht sogenannten Hotspots der Artenvielfalt in Deutschland. Aktuell sind aber 55% der Pflanzenarten, 88% der Amphibienarten, 39% der Säugetierarten und 83% der Schmetterlingsarten gefährdet. 34 % der Brutvögel stehen auf der Roten Liste.

"Jetzt muss endlich Schluss sein mit dem Nichtstun! Die Bundesregierung und der Senat müssen jetzt sofort handeln", verlangt Stephan Zirpel, Geschäftsführer des NABU Hamburg. "Denn eine verloren gegangene Art kommt nicht wieder. Wir brauchen aber eine reiche biologische Vielfalt für stabile Ökosysteme, von denen wir unmittelbar abhängen und leben."

Voraussetzung für den Erhalt der Artenvielfalt in Hamburg ist aus seiner Sicht, dass der zukünftige Senat hierfür umgehend eine regionale Strategie erarbeitet und umsetzt. Denn während sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene bereits Strategien zum Erhalt der Biologischen Vielfalt existieren, suche man in Hamburg danach vergeblich. Weiterhin müsse diese Strategie mit einer entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden, um die Bevölkerung für den Artenschutz zu sensibilisieren und dafür Akzeptanz zu schaffen.

Zauneidechse

Zauneidechsen

25. August 2011 - Die großen Herausforderungen für den Artenschutz in der Metropolregion Hamburg sind nach Ansicht des NABU vor allem der hohe Flächenverbrauch und die intensive Flächennutzung. Infolge des Senatskonzepts "Wachsende Stadt" liegt der Flächenverbrauch zurzeit bei 360 Hektar pro Jahr. "Dadurch gehen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren", erklärt Zirpel. "Naturverträglich sind maximal 60 Hektar pro Jahr." Neben der Bebauung der letzten Grünflächen gerieten auch die Naturschutzgebiete zunehmend in Bedrängnis. "Mit einem Anteil der Naturschutzgebiete von 8,1% der Landesfläche erreicht die Hansestadt zwar einen Spitzenwert in Deutschland", betont Zirpel. "Hamburg wird aber nicht seiner Verantwortung bei der Betreuung dieser Schutzgebiete gerecht." Der Senat müsse daher sofort die Finanz- und Personalmittel für die Naturschutzverwaltung erheblich aufstocken, um den Anforderungen für den Erhalt der Biologischen Vielfalt gerecht zu werden.

Aus Sicht des NABU fehlt es in Hamburg darüber hinaus an einem Biotopverbund, der die einzelnen Schutzgebiete vernetzt. Nur so könne der für den Arterhalt notwendige Austausch von Tieren und Pflanzen zwischen den Gebieten gewährleistet werden, so der Naturschützer. "Hierfür benötigt Hamburg eine funktionierende Landschaftsplanung, die bisher aber kaum existierte", erklärt Zirpel. "Als Flächeneigentümerin könnte unsere Stadt übrigens erheblich zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Statt wertvolle stadteigene Naturflächen zur Gewinnmaximierung zu verpachten, sollte Hamburg diese nur unter Auflagen für den Erhalt von Tieren und Pflanzen abgeben." Bis heute drücke sich Hamburg hier aber vor der Verantwortung.

Dringend erforderlich sei auch eine Bestandserhebung aller in Hamburg lebenden Tier- und Pflanzenarten. "Für einzelne gefährdete Arten muss die Stadt Schutzprogramme auflegen", fordert Zirpel. "So wie es der NABU bereits für den Weißstorch, den Kranich, die Fledermäuse und viele mehr bereits getan hat."

Zehn-Punkte-Plan des NABU für den Erhalt der Artenvielfalt in Hamburg (35 KB)
NABU-Masterplan für die Artenvielfalt in Deutschland (5 MB)

FaktenFakten

Themen: Artensterben in Hamburg (Lebensräume, Pflanzen, Säugetiere, Vögel, Amphibien, Libellen, Schmetterlinge/Tagfalter, Heuschrecken) mehr Mehr

NABU Hamburg legt NABU-Grundsatzpapier zum Erhalt der Artenvielfalt vorArtensterben stoppen!

Der NABU Hamburg stellte bereits 2008 ein Grundsatzpapier für den Erhalt der Artenvielfalt in der Hansestadt vor. Dieser enthällt konkrete Forderungen an die Politik, die der NABU in der Pflicht sieht, sofort erhebliche Anstrengungen für den Erhalt der Artenvielfalt in Hamburg zu unternehmen. mehr Mehr

NABU - ForderungenNABU - Forderungen

Themen: Masterplan für Hamburg (Aktionsplan zum Stopp des Artenverlustes bis zum Jahr 2010), Chefsache Artenschutz (Lautlos wie das Artensterben: NABU-Pantomime für den Erhalt der biologischen Vielfalt / Appell an Ole von Beust), Zehn-Punkte-Plan für Hamburg mehr Mehr

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