Hamburg.NABU.de Projekte Umweltbildung Forschungsstation Reit Aktiv für Die Reit NABU-Triathlonstaffel startet für "Reit"

Jede Minute zählt

Drei NABU-Aktive starten beim Glücksburger Iron-Men Triathlon, um Geld für die Vogelforschung zu gewinnen.

NABU-Staffel OstseeMan 180708

Die NABU-Sportler v.l.n.r.: Bernd Quellmalz, Björn Loss, Frank Griesel mit Matti Heilmann (ganz links) von Globetrotter.

(Glücksburg, 3. August 2008) Wo ist die dritte Boje? Es sind ein Haufen Bojen im Wasser, aber wo ist die dritte Wendeboje? Wir stehen am Strand von Glücksburg und versuchen in dem Wirrwarr von Bojen die richtigen zu finden, die den Schwimmkurs markieren. Zum Glück ist ein Kampfrichter in der Nähe: "Hallo, welche Bojen kennzeichnen denn die Schwimmstrecke?" Der Kampfrichter zeigt mit weitausgestreckten Arm auf drei entfernte Punkte am Horizont: "Die da im Hafen, die da draußen, und die da ganz rechts hinten am Horizont!". "Wie jetzt, die ganz da hinten?" fragt Bernd mit weitaufgerissenen Augen nochmal nach. "Joo klar", sagt der Kampfrichter im gemütlichen Platt: "3,8 Kilometer, sind 3,8 Kilometer!" Bernd ist entsetzt, dass das so weit ist. Damit hatte er nicht gerechnet.

Flensburger Förde

Dei Flensburger Förde. Zum Urlaub machen wunderbar.

Die drei NABU-Aktiven Bernd Quellmalz, Björn Loss und Frank Griesel wollen als NABU-Mannschaft den Iron-Man in Glücksburg bestreiten. Ein schönes Fleckchen Erde - zum Urlaub machen. Wenn man auf die Karte schaut ganz oben, im hohen Norden, rechts neben Flensburg. Vom anderen Ufer der Förde winken dänische Windräder herüber. Der Ostseewind weht einem sanft durch die Haare und die Einheimischen begrüßen einen auch noch abends mit einem gemütlichen "Moin". Doch zum Urlaub machen, sind die drei nicht hergekommen.

Iron-Man, das ist ein Triathlon über die Langdistanz. Die Königsdiziplin. An sowas trauen sich nur die Besten: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,195 Kilometer laufen. Das Besondere: Die drei starten für einen guten Zweck: Der Outdoor-Ausrütster Globetrotter sponsert den Wettkampf der drei NABUs mit 800 Euro. Für jede Minute, die sie unter zwölf Stunden bleiben, legt Globetrotter noch was oben drauf. Das Geld fließt in die Vogelberingungsstation "Die Reit" des NABU Hamburg.

Bernd Quellmalz

Erkennen Sie diesen Mann? Bernd Quellmalz, der Schwimmer des NABU-Teams.

Auch Björn und Frank merken bald, dass der Glücksburger Iron-Man kein Spaziergang werden wird. Der Radkurs weist 1.200 Höhenmeter auf und die Marathonstrecke hat viele kleine, steile Anstiege, spitze Kurven und Wendepunkte, die den Läufer viel Kraft und Konzentration kosten.

Bernd schaut immer noch aufs Meer und fragt sich, ob er das wirklich schafft? Er hat seit über einem halben Jahr für diesen Wettkampf trainiert. Jede Woche ist er fünf Kilometer geschwommen, manche im Schwimmbad, manche sogar extra in Seen, um sich abzuhärten und sich an die veränderten Rahmenbedingungen zu gewöhnen. Aber das hier, dass hier ist die Ostsee, das offene Meer. Der Wellengang an diesem Vorabend ist auch ziemlich stark. Und 3,8 Kilometer am Stück ist Bernd auch noch nie geschwommen. "Wir könnten das Geld vielleicht selber spenden", schlägt Frank zögerlich vor. Seine Sportskameraden antworten nicht.

Schwimmstart

Die Schwimmer warten am Strand von Glücksburg auf den Start.

"Nee," Björn, der Radfahrer bleibt eisern. "Aufgeben können wir immer noch. Am nächsten Morgen merken die Athleten, dass das Aufgeben ziemlich schnell gehen kann. Um Punkt sieben Uhr stürzt sich Bernd Quellmalz eingepackt in seinem Neopren-Anzug mit rund 650 anderen Schwimmern in die Ostsee. Nach rund 600 Meter kehrt der erste Schwimmer an Land zurück. Grüne Badekappe, ist das Bernd? Warten, die Ungewissheit steigt. Der Mann kommt näher und dann, nein, es ist nicht Bernd - Björn und Frank atmen auf. Bernd ist noch im Wasser und kämpft mit Wellen, Quallen und seinen Mitschwimmern. "Als der Startschuss ertönte, stand ich ziemlich weit vorne und rannte in die Ostsee, aber als ich dann endlich im Wasser war und schwimmen wollte, ging das gar nicht, weil um mich herum so viele andere Schwimmer waren, dass ich gar nicht voran kam."

Schwimmer in Ostsee

Auch beim Schwimmen heißt es: Jede Minute zählt.

Nach rund 48 Minuten steigt der erste Staffel-Schwimmer aus dem Wasser. Hektik macht sich breit in den Wechselzonen. Wann wird Bernd kommen? Auch Björn steht schon wie viele andere Radfahrer mit seinem Rennrad bereit. Rennrad kann man dieses Gefährt eigentlich nicht mehr nennen. Das Rad gleicht den Rädern, die Tour-de-France-Fahrer beim Zeitfahren benutzen. Um die 180 Kilometer ohne Zeitverlust zu absolvieren, quälen sich die Fahrer in eine ergonomische Sitzunghaltung. Sie liegen eher auf ihren Maschinen als dass sie sitzen. Um möglichst windschnittig zu sein, tragen viele Fahrer aerodynamische Helme oder glatte Übezieherschuhe. Außerdem haben sie an ihrem Lenker Trinkflaschen mit Strohhalmen befestigt. So können sie direkt trinken, ohne sich aufrichten zu müssen.

Schwimmer am Strand

Die ersten Schwimmer verlassen das Wasser. Wo bleibt Bernd?

1:10. Mehr und mehr Schwimmer haben ihre erste Diziplin absolviert. Darunter auch viele Einzelstarter, die echten Iron-Men, die sich durch alle drei Disziplinen quälen. Sie schälen sich jetzt aus ihre Neoprenanzügen heraus und zwängen sich in ihre Radtrikots, Radhosen und Radschuhe. 1:12 ist das Bernd? Nein. Die Schwimmer sehen in ihren Anzügen alle gleich aus. Manche tragen auch noch ihre Badekappen. Damit die Staffeln zueinander finden, rufen die Ahleten immer wieder Namen durch die Wechselzone: "Steffi, Günther, hier, hier bin ich, hierüber". Weil jetzt auch immer mehr Athleten aus dem Wasser kommen, wird es unübersichtlicher, chaotischer. Wer gehört zu wem?. 1:14 noch immer kein Bernd. Doch da, ist er das?

NABU-Fahrer Björn mit seiner Rennmaschine

Björn mit seiner Rennmaschine.

Björn hat ihn erkannt, rennt los. Bernd befestigt mit zitternden Händen das kleine Klettband mit Transponder um Björns Arm. Das Band dient als Staffelholz und zur Kontrolle. Björn flitzt zu seinem Fahrrad, nimmt es aus dem Fahrradständer und schiebt es rennend durch den riesigen Fahrradparkplatz zum Ausgang. Einige hundert Räder stehen hier in Reih und Glied und warten auf ihren Einsatz. Damit es zu keinen Unfällen kommt, dürfen die Fahrer erst in einer bestimmten Zone auf ihre Räder steigen und sich auf den 30-Kilometer-Rundkurs machen. Jetzt endlich hat Björn die Markierung erreicht, der Kampfrichter gibt ihm ein Zeichen, er schwingt sich aufs Rad und weg ist er.

Björn wartet

NABU-Fahrer Björn wartet in der Wechselzone auf NABU-Schwimmer Bernd.

Der NABU-Fahrer muss nicht nur mit Gegenwind und schwierigen Kurven kämpfen, sondern bei seinem Kurs auch auf die Kampfrichter achten. Beim Radfahren gibt es die strengsten Regeln. Die Fahrer müssen immer versetzt fahren. Sich im Windschatten eines Anderen ziehen zu lassen, wie beispielsweise bei Radrennen üblich, ist nicht erlaubt. Wer das nicht tut, wird mit einer gelben Karte bestraft, bei drei gelben Karten ist man raus.

Doch Björn ist nicht raus. Björn radelt wie die Feuerwehr. Auf den ersten drei Runden ist er weit unter seiner anvisierten Zeit. Doch auch beim Radfahren, kann das Rennen schnell unfreiwillig zu Ende gehen: Speichenbrüche, Kettenrisse, zwei Fahrer müssen nach Stürzen ins Krankenaus eingeliefert werden. Immer wieder kommt Björn an dem steilen Anstieg in Glücksburg vorbei. Hier können die Fahrer nur langsam fahren. Eine Stimmung wie in Alpe d"Huez, der berühmten Tour de France-Etappe. Manche werden angeschoben, kriegen neue Wasserflaschen gereicht, werden angefeuert.

Björn beim Radfahren

Björn beim "Alpe d'Huez-Anstieg" in Glücksburg.

Auch Bernd und Frank schreien ihren Fahrer an: "Komm Björn, das sieht gut aus, gib nochmal alles!" Aber Björn sieht auf den letzten beiden Runden nicht mehr gut aus. Nach 120 Kilometern hat er sich verausgabt, kann sein hohes Anfangstempo nicht mehr halten. Muss langsamer werden. Jetzt nach vier bis fünf Stunden permanenter Anstrengung, dauernden Kampf mit seinem Körper, lässt auch bei den Fahrern die Konzentration nach, Fehler häufen sich. Wird Björn durchkommen?

Frank bereitet sich mittlerweile in der Wechselzone auf seinen Lauf vor. Einlaufen, Muskel dehnen, nochmal Wasser trinken, warten. Überhaupt Trinken: Die Wettkampfrichter fordern die Läufer auf, viel zu trinken. Es ist kurz nach Mittag und das Thermometer zeigt 24 Grad. Viel zu heiß zum Laufen. Davor hat Frank am meisten Angst. Die Hitze. Leichter Nieselregen, der wäre optimal aber keine stechende Sonne.

Wechsel Frank + Björn

Staffelübergabe zwischen Björn und Frank.

Wann kommt Björn? Die Wettkampfuhr zeigt 6 Stunden und 50 Minuten. Normalerweise müsste er jetzt doch kommen. Frank steht jetzt in der Läuferschlange ganz vorn, weil er glaubt, dass Björns rot-weißes Trikot jede Sekunde in der Menge auftauchen müsste. Bernd hat sich außerhalb der Wechselzone auf einer Hotelterasse positioniert. Von dort kann er Blickkontakt mit Frank halten und sieht gleichzeitig wie die Fahrer auf ihren Maschinen heranrauschen, vor der Wechselzone absteigen und ihrer Räder durch einen schmalen Gang schieben müssen, um zu den Läufern zu gelangen. 6:53.00 Noch immer kein Björn. Bei den Läufern machen neue Gerüchte von Radstürzen die Runde. Einer erklärt: "Unser Fahrer wird gerade ins Krankenhaus eingeliefert. Schulterblatt zertrümmert. Ich laufe jetzt eine Ehrenrunde und dann gehe ich ihn besuchen." Dann, plötzlich, Bernd winkt aufgeregt. Und tatsächlich: Da biegt Björn mit seinem Rad in der Hand um die Ecke. Mit der anderen Hand wedelt er mit dem Transponderband. Schnell noch umbinden und Frank kann sich auf seinen knapp 8,5 Kilometer langen Rundkurs begeben, den er fünfmal absolvieren muss, um auf die geforderte Marathondistanz von 42,195 Kilometer zu kommen.

Frank bei Runde 2

Frank bei Kilometer 16. Noch kann er lächeln.

Die erste Runde läuft gut, auch noch die zweite. In der dritten Runde fängt Frank an zu schwächeln. Der erfahrene Marathonläufer bricht schneller ein, als erwartet. Die Hitze. Es ist jetzt vier Uhr Nachmittags und die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Er verliert jetzt schneller Flüssigkeit als er aufnehmen kann. Die Muskeln arbeiten nicht mehr richtig. Gehorchen nicht mehr. Irgendwo bei Kilometer 32 ein Krampf. In der rechten Wade. Frank muss stehen bleiben, den Muskel dehnen. Aufgeben? Jetzt, mitten im Rennen. Weiter laufen - egal wie. Hauptsache ankommen. Wo ist Bernd?

Bernd hatte den Auftrag Frank unterwegs anzuschreien, dass er sich jetzt quälen solle. So wie damals, als Jan Ullrich bei der Tour de France 1997 in einer Schwächephase in den Vogesen von seinem Edelhelfer Jens Voigt angeschrien wurde: "Jetzt, quäl Dich endlich, Du Sau!". Der Spruch ist mittlerweile Legende und Jan Ullrich wurde damals Toursieger.

Aber Bernd ist viel zu nett, um seinen Freund so anzuschrein. Nach zehn Stunden und dreißig Minuten braucht Frank sich nicht mehr zu quälen und Bernd sich nicht mit vulgären Ausdrücken zu plagen. Frank kann den Rundkurs verlassen und auf die Zielgerade abbiegen. An der Abzweigung warten Bernd und Björn schon und gemeinsam laufen die Drei als NABU-Team durchs Ziel. Gut zwei Stunden nach der Sieger-Staffel und zweieinhalb Stunden vor der letzten. Sie haben 90 Minuten auf zwölf Stunden gut gemacht. Dafür darf Globetrotter jetzt nochmal extra spenden - insgesamt 1.200 Euro. Geld, was die drei NABU-Aktiven hart erarbeitet haben. Und Geld, das nun für die Instandhaltung des Fanggartens und der Netze, für die Anschaffung eines neuen Fahrrades für die ehrenamtlich tätigen Beringer (für den Weg zwischen Station und Fanggarten) sowie für die Unterhaltung der Station insgesamt eingesetzt werden kann.

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